Freitag, 22. September 2017

BBVV-Info-Abend über Umbau an Schloss und Park

Borbeck. Der Borbecker Bürger- und Verkehrsverein lud ein und gleich fünf Experten stellten sich den Fragen der Bürger: Dietmar Kram vom Amt für Stadterneuerung, Klaus Kranefuß von Grün und GRuGa (Planung und Pflege) mit Ludger Niermann, dem Projektleiter für den Schlosspark, Helge Seidel von der Städtischen Immobilienwirtschaft und Dr. Bernd Mengede, Leiter des Kulturzentrums Schloss Borbeck. Im großen Residenzsaal: 20 interessierte Besucher, die sich über die laufenden Bauarbeiten und weiteren Planungen rund um Schloss Borbecker und das Wirtschaftsgebäude auf den neuesten Stand bringen wollten. Um es vorweg zu nehmen: Nicht gerade viele, wie aus dem Publikum selbst bemängelt wurde. Die Verantwortlichen selbst, die sich außerhalb ihrer Arbeitszeit zum Treffen mit dem Bürger stellten, waren offensichtlich auf kritischere Anfragen vorbereitet.

Schlosspark im Wandel

Die Erkenntnisse zum Schlosspark: Das sogenannte „Parkpflegewerk“, ein Paket aus mehreren Komponenten, zielt auf die nachhaltige Entwicklung einer der ältesten Parkanlagen des gesamten Rheinlands. Es bildet nach der Erfassung der bisherigen Veränderungen des ursprünglichen historischen Gesamtbildes und der Beschreibung des aktuellen Zustands den Handlungsrahmen für die jetzt angelaufenen Arbeiten in dem 2012 unter Denkmalschutz gestellten Schlosspark, dessen Wegeführung fast vollständig bis heute vorhanden ist. „Es geht hier mehr als nur um Pflege“, so Ludger Niermann. „Vielmehr geht es um eine umfassende Planung, die der Bewahrung der historischen Substanz, der öffentlichen Nutzung und ökologischen Kriterien langfristig gerecht werden soll.“ Es gehe nicht um den Nachbau des ursprünglichen Plans für den heute rund 42 Hektar großen Park. Schon gar nicht um die Wiederrichtung ehemals vorhandener künstlicher Ruinen oder der Wasserspiele. Vielmehr sollen die grundsätzlichen Sichtachsen freigelegt und betont werden. Dabei wird zum Beispiel die bisherige mittlere Wegeachse zwischen Schloss und Wald die große Rasenfläche nicht mehr durchschneiden und damit der Landschaftscharakter deutlicher unterstrichen werden. Das Entstehen von neuen Trampelpfaden soll eine geeignete Bepflanzung allerdings verhindern.

Die Arbeiten für die mit neuem Belag versehenen Wege sind bis zur Bachbrücke bereits abgeschlossen, die Uferbefestigungen für den vom Schlossbach gespeisten Teich sind auf Dauer neu gefasst. In Abstimmung mit Denkmal- und Landschaftsbehörden werden die Quellfassungen für den Bach überholt, die Kaskaden sollen wieder neu entstehen, der Spielplatz hinter dem Schloss bleibt unangetastet, ebenso bleibt die bisherige Veranstaltungswiese unverändert. In dem mit neuem Weg versehenen Auenbereich wird ein aus Metall vorproduzierter Steg ab Beginn der Vegetationspause im September neu installiert - früh genug etwa für den am 14. Oktober geplanten Schlossparklauf des TUS 84/10, wie auf konkrete Nachfrage bekräftigt wurde.


Ludger Niermann von Grün & GRuGa erläutert den neuen Plan

Praktische Fragen aus dem Publikum

Im direkten Eingangsbereich zum Schloss, so die Vertreter von Grün und GRuGA, wird man leider weiter auf Befahrbarkeit durch Fahrzeuge Rücksicht nehmen müssen – Rabatten, Rasen oder Rosenbeete in der Mitte der Schotterflächen werden also nicht neu entstehen. Anlieferer für die Gastronomie aber sollen in Zukunft nur noch durch die Zufahrt von der „Schlosswiese“ das Schloss erreichen können. Das durch Unvorsichtigkeit „katastrophal demolierte“ und abgebaute Haupttor wird derzeit wiederhergestellt und soll nur noch in Ausnahmefällen geöffnet werden. Ein neuer durchgehender Bürgersteig zur Schlossstraße wird erst in einem späteren Bauabschnitt entstehen. Sehr praktische Fragen aus dem Publikum richteten sich auf Themen wie Abfallbehälter - insbesondere für Hundefreunde und die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner: Wie neue Bänke und Beleuchtungskörper sollen Behälter ihren Platz finden – allerdings müsse auch deren Entsorgung bedacht werden, so Klaus Kranefuß: „Wir können nicht den ganzen Park damit vollstellen.“ Immerhin ist das Ende der Baumaßnahmen insgesamt fest im Blick: Im Spätherbst soll die Baustelle vollendet sein – und wird als Frucht des Grünen Hauptstadtjahrs weiterwachsen.

Sanierung im Wirtschaftsgebäude

Helge Seidel schilderte die Perspektiven für das 1839-1842 durch Freiherr Clemens von Fürstenberg errichteten klassizistischen Wirtschaftsgebäude mit dem integrierten mittelalterlichen Vierkantturm. Im Rahmen des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes „Aktives Zentrum Borbeck“ waren hier Sanierungsarbeiten mit Berücksichtigung von Brandschutzauflagen und Veränderungen im Gebäudeinneren geplant worden. Eine Maßnahme mit Landesmitteln, die nach europaweiten Wettbewerben offensichtlich inzwischen zumindest in Terminschwierigkeiten geriet.

Nach dem zum 22. März gestellten Bauantrag, den folgenden Ausschreibungen und Architektenverträgen liege die Baugenehmigung nun zwar vor. Doch laufe weiter erst die Ausführungsplanung, die immerhin zu großen Teilen vorliege. Die Bauarbeiten werden unter Beteiligung des Institutes für Denkmalschutz und Denkmalpflege der Stadt und des Landschaftsverbandes Rheinland, Amt für Denkmalpflege im Rheinland bei laufendem Betrieb durchgeführt. „Ende 2018 sollten wir aber fertig sein“, so Seidl zu dem Projekt, für das inzwischen 4,4 Millionen Euro veranschlagt werden. 400.000 Euro übernehme davon der Landschaftsverband Rheinland. Die Nutzung sieht neben einem Bistro im linken Teil des Erdgeschosses die Galerie für regionale zeitgenössische Kunst, eine ausgebaute historische Station Alter Turm sowie die eine Studiobühne samt Nebenräumen vor. Im Obergeschoss werden die Unterrichtsräume der Folkwang-Musikschule neu geordnet und wie die Hausmeisterwohnung saniert. Alle bisherigen Nutzer, so Dr. Bernd Mengede, sind weiterhin willkommen.

Wer nach einem Ansprechpartner für die Schlossprojekte suche, werde in Borbeck immer zwei finden, so Franz Josef Gründges: Der Förderverein von Schloss Borbeck und der Borbecker Bürger- und Verkehrsverein (BBVV) seien bürgernah und blieben gemeinsam „nah dran am Bürgerwillen“. Den Fortschritt rund ums Schloss, so die BBVV-Vorsitzende Susanne Asche werde man genau im Auge behalten und stehe weiter als kritisch-konstruktiver Ansprechpartner immer zur Verfügung. Übrigens: Das sich immer weiterausbreitende Moos" an der Schlossfassade sei auch beim Liegenschaftsamt im Blick, hieß es am Abend auf Bürgernachfrage. Man überlege, der Sache mit konventionellen Mitteln beizukommen und eine Reinigung vorzunehmen, denn Chemieeinsatz sei von Nachteil für Wasser, Pflanzen und Tiere. Was immer unternommen wird: Ohne Moos nix los", so eine lakonische Anmerkung aus der Zuhörerschaft. Das gilt - wenn es um finanzielle Mittel geht - nach Stand der Dinge ganz sicher rund ums Schloss. Aber es kommt sicher auch weiter auf den aktiven Einsatz der Bürger und Nutzer vor Ort an.