Donnerstag, 16. August 2018

Riesenandrang in der Alten Cuesterey

Ausstellung „Waschbrett und Muckefuck“ eröffnet

BORBECK. Selbst im Treppenhaus quetschten sich noch die Besucher: Zur Eröffnung der aktuellen Ausstellung „Waschbrett und Muckefuck“ in der Alten Cuesterey am Weidkamp gab es am Samstag, 24. Februar, einen Riesenandrang. Bis zum 18. März werden hier Dinge gezeigt, die in vieler Hinsicht erstaunlich sind. Die einen werden sich wundern, wie mühselig das Leben in früheren Zeiten war, die anderen staunen, dass sich die Dinge überhaupt erhalten haben.

Es sei alles andere als ein Blick in „eine gute alte Zeit“, gab Heinz Werner Kreul vom Ausstellungsteam des Kultur-Historischen Vereins Borbeck e.V. ganz unsentimental zu bedenken. Und das mag man beim Blick auf die vielfältigen Erinnerungen an alle Utensilien gerne glauben, die zum Waschen, Kochen, Backen oder Nähen gebraucht wurden, aber ebenso beim Blick auf die Arbeitswelt außerhalb des Haushaltes in Handwerk und Bergbau. Auch die wachsende Freizeit spielt eine Rolle: Ein halbes Wohnzimmer, damals kaum erschwingliche Musiktruhen und ein alter Fernseher stehen im Kontrast zu den Gegenständen, die einen mühseligen Alltag beschreiben.

„Guckma, weißt du noch?“ - was die lebhaften Reaktionen der Besucher deutlich zeigten: Diese Zeiten sind gar nicht so lange her. Das Brause-Heft mit Sütterlin-Schrift mag Schülern von heute sehr weit weg scheinen – für die Eltern und Großeltern gehört es zur lebendigen Erinnerung wie Zeitungspapier auf der Toilette, Kernseife oder der Teppichklopfer, der für „erzieherische Maßnahmen“ Verwendung fand. Mögen das kleine Glück rund ums Waffeleisen, Nachttopf und Wäscheleine, die harte Arbeit am Waschbrett, der Blech-Henkelmann, mit dem man auf die Schicht zum Pütt zog, der Käfig für den Kanarienvogel und die Kaffeemühle im Zeitalter von Internet und Multimedia noch so weit weg scheinen – hier werden sie anschaulich und mit Liebe präsentiert. Wie gesagt: Nicht weil die Zeit in irgendeiner Weise besser war. „Doch es war eben unser Leben“, so Heinz Werner Kreul. Dazu gehörten nicht zuletzt sowohl die religiöse Bindung, die stolze Selbstinszenierung bei Festen der Vereine, aber auch der Traum von der großen weiten Welt, wie die Weltreisen der Brüder und Motorradpioniere Aufermann aus Dellwig deutlich machen.

Die kleine heimische und die große weite Welt – sie werden in dieser Ausstellung in eine spannende Beziehung gesetzt. Jedem Besucher selbst wird es in ähnlicher Beziehung geschehen. Denn die jetzt in Vitrinen ausgestellten, von vielen Gebrauchsspuren gezeichneten ganz banalen Alltagsgegenstände erfahren eine ganz neue Bedeutung: Unweigerlich wird der Unterschied zum Jetzt spürbar - spätestens dann, wenn dutzende Mobiltelefone gezückt werden, um die Dinge von gestern im Bild festzuhalten. Und wenn bewusst wird, wie schnell sich das Leben und die ganze Lebensumwelt verändert hat. Dem Kultur-Historischen Verein ist darum sehr zu gratulieren: Er setzt mit seiner Ausstellung und ihrem Begleitprogramm eine zentrale Frage in Szene, die viele Menschen heute offensichtlich umtreibt.

Begleitende Veranstaltungen:

28. Februar, Mittwoch, 18.30 Uhr

Vortrag von Heinz-Werner Kreul: „Geschichte der Wachtstraße und des Weidkamp bis zum Weidkamp-Kreuz / Am Ellenbogen“.

6. März, Dienstag, 16.30 Uhr

Besuch des Bunkers am Dionysiuskirchplatz,  Treffpunkt: Alte Cuesterey

10. März, Samstag, 15 Uhr

„Die abenteuerlichen Reisen der Dellwiger Brüder Aufermann“. Vortrag von Heinz Schulze. Zwischen 1928 und 1958 haben die Gebrüder Aufermann aus Essen-Dellwig die Welt erkundet. Mit dem Motorrad, dem Auto, und sogar mit dem Flugzeug. Ob Deutschlandrundfahrten oder bis nach Teheran. Hitze in der Sahara, Kälte in Kleinasien, nichts konnte sie aufhalten. Heinz Schulze nimmt Sie mit auf die Reisen der Gebrüder Aufermann.

13. März, Dienstag, 15 Uhr

„Der Pfarrer als Landwirt“. Ein Vortrag von Heinz-Werner Kreul. Der Borbecker Pfarrer Burrichter (1615-1636) hat aufgezeichnet, wie man sich als Bauer verhält. Mit großem Interesse widmete er sich neben seinem kirchlichen Dienst der Landwirtschaft und bezeichnete sich als Bauer unter Bauern.

15. März, Donnerstag, 18.30 Uhr

Hermann Schuster. „Erlebte Bergwelt in den Dolomiten“: Der Bergsteigerpastor Hermann Schuster aus Gerschede war ein großer Kletterer. In den letzten Jahren hat er die Dolomiten erwandert und erklettert. Sein Markenzeichen ist die Übernachtung im Freien auf einem 3000er Gipfel. Er ist mit der Familie von Hermann Buhl befreundet. Hermann Buhl war 1953 Erstbesteiger des Nanga Parbat.

18. März, Sonntag, 15 Uhr

Zum Abschluss tritt der Kinderchor Gerschede auf. Der Kinderchor Gerschede hat 12 Kinder im Alter von 5 bis 9 Jahren. Sie werden Frühlingslieder und einige Lieder von Rolf Zuckowski in alter und neuer Form singen. Chorleiter sind Uwe Binder und Thomas Nickel.

Sonderführungen und Vorträge nach Vereinbarung mit Heinz Werner Kreul, Tel. 68 06 04 oder hwkreul@arcor.de