Montag, 9. Dezember 2019


Vom Bergbau in Borbeck

Große Ausstellung in der Alten Cuesterey

 

BORBECK. Arbeit und Brot, Streiks und Tod – die nächste große Ausstellung in der Alten Cuesterey verspricht ein Highlight zu werden: Vom 24. November bis zum 5. Januar 2020 wird am Weidkamp 10 in Essen-Borbeck der Bergbau in Borbeck präsentiert. Eröffnet wird die Schau am Sonntag, 24. November 2019 um 15 Uhr. Die Öffnungszeiten: 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung, montags, Heiligabend, 1. Weihnachtsfeiertag, Silvester und Neujahr geschlossen, 2. Weihnachtsfeiertag geöffnet. Der Eintritt zur Ausstellung und zu den Veranstaltungen ist frei.

 

Borbeck: Hier begann der Bergbau erst richtig

 

Hier, wo vor 200 Jahren in der ehemals größten preußischen Landgemeinde der Tiefbergbau im ganzen Ruhrgebiet erst begann, war auch zuerst „Schicht am Schacht“. Und doch hat die Kohle alle Teile von Borbeck nachhaltig viele Menschenleben lang geprägt. Die Wasserhaltung durch Dampfmaschinen ermöglichte die Durchstoßung des Deckgebirges zuerst in Schönebeck, Investoren kamen und innerhalb weniger Jahre wurde das ganze Gemeindegebiet zum Eldorado Die „Jagd nach dem schwarzen Gold“ war eröffnet, zahlreiche Schachtanlagen folgten. Und es kamen Menschen: Der ungeheure Bedarf an Arbeitskräften führte zu einer rasanten Bevölkerungszunahme, neben die landwirtschaftlichen Dorfstrukturen traten Baracken und neue Siedlungen - mit allen sozialen Problemen, die damit verbunden waren. Die harte Arbeit unter Tage war zugleich lebensgefährlich, Todesfälle, Invalidität und Krankheiten waren an der Tagesordnung. Dies berichten Quellen zur Geschichte der ältesten lokalen Bergmanns-Organisation: Die Fahne des 1861 gegründeten Borbecker St. Marien-Knappenvereins ging zahlreichen Beerdigungen voran.

 

Streiks, Krieg und Wiederaufbau

 

Nicht zuletzt ist Borbeck mit großen Streiks verbunden: Die schlecht bezahlten Bergmänner gingen auf die Barrikaden, probten den Aufstand durch spontane Arbeitsniederlegungen. Eine Herausforderung für die Stahlkonzerne, die mit der geförderten Fettkohle die Eisen- und Stahlproduktion am laufen hielten. Auch die kriegswichtige Wirtschaft ist Thema der Ausstellung, die Verpflichtung von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern, der Protest gegen Zechensprengungen durch die SA und der wirtschaftliche Wiederaufbau nach 1945, als die Kohlenzechen und Kokereien dringend gebraucht wurden. Vom neuen Aufschwung zeugen in Borbeck bis heute zahlreiche Orte, die mit dem Wandel der Wirtschaft ihre Bedeutung verloren. Die Schließung der Zechen Christian Levin und Wolfsbank zum 1. Januar 1960 markierte den Anfang vom Ende: Tausend verloren ihre Arbeit und neue Konzepte waren gefragt.  Der Stadtteil veränderte sich, Zechen, Fördertürme und Halden verschwanden.

 

Anschauliche Erinnerung

 

Nicht aber die Erinnerung an die Boomjahre in „Deutschlands wildem Westen“: Ab 1958 sorgte dafür in Borbeck ein heimatgeschichtlicher Arbeitskreis, der Borbecker Knappenverein setzte erste Gedenksteine, auch der Kultur-Historischen Verein Borbeck ergriff dazu Initiativen. Zechenstandorte, treibende Personen und örtliche Zeugnisse der Bergbaukultur wurden nicht vergessen – all dies wird in der durch die Bezirksvertretung Borbeck und Edeka Burkowski geförderte Ausstellung anschaulich gemacht und in der AltenCuesterey zu sehen sein. Ein begleitendes Veranstaltungsprogramm erza?hlt die Geschichte der ersten Prosper-Zechen, es geht um „Willy Bartock, den Kohlen-Goethe“ und Bergbaupatrone. Nach der weiteren musikalischen Programmgestaltung zu schließen, wird die Cuesterey in diesem Advent zu einem Ort, an dem sich sicher viele gerne treffen werden.