Mittwoch, 28. Oktober 2020


Fürstin lud zu Musik im Park

Genießernachmittag des BBVV am Schloss

 

BORBECK. Ein „Genießer-Nachmittag“ sollte es werden, so der Borbecker Bürger- und Verkehrsverein (BBVV) - und tatsächlich gab es viele entspannte und fröhliche Gesichter: Fürstäbtissin Maria Kunegunda lud am Sonntagnachmittag bei strahlendem Sonnenschein zu Open-Air-Musik mit flotten Harmonien in den Schlosspark. Die Stars auf dem grünen Rasen: Das Schönebecker Jugendblasorchester unter Leitung von Constantin Hesselmann. Ihnen war der dankbare Applaus von rund 100 Gästen und vielen Spaziergängen gewiss, die sich dieses erstmalige Ereignis nicht entgehen ließen.

Mit Abstand feiert es sich am besten

„Wir haben besondere Zeiten“, unterstrichen Susanne Asche und Christof Beckmann vom BBVV-Vorstand bei der Begrüßung. Alle geplanten Veranstaltungen – darunter das beliebte „Fest der Fürstin“ - fielen im letzten halben Jahr den Corona-Auflagen zum Opfer. Doch „mit Abstand“ feiere es sich eben im Schlosspark am besten, so die Organisatoren. Und Anlässe gab es durchaus, erinnerte die Moderation: Die Gründung des Stiftes Essen geschah vor 1175 Jahren durch Altfrid von Hildesheim – und just am Vortrag stand er auf dem Kalender. Grund genug, mit 35 jungen Musikern des SJB den historischen Park zu verzaubern. Dazu hatten sich vor dem Schloss die ausgezeichneten „Kulturbotschafter der Stadt Essen“ den Kronenschatten eines dicken Baumes gesucht – zahlreiche Besucher, vor allem regelmäßige Leser von www.borbeck.de, suchten sich gleich gegenüber die schönsten Plätze.

Schmissiger Brass-Sound des SJB

Den Auftakt machte der „Einzug der Gladiatoren“ und zunehmend kam Fahrt ins Programm: Es folgte ein Potpourri bekannter und schmissiger Melodien: Evergreens von Bert Kaempfert, Musik aus Filmen, feurige Rhythmen im Latin-Style und ein Neue-Deutsche-Welle-Medley wehten durch das satte Grün. Und auch eine besondere Zugabe - das Steigerlied – mit vollem Brass-Sound verführte manchen im Publikum zum Mitsingen. Deutlich war zu spüren: Selbst unter den schwierigen Bedingungen der letzten Monate ging der Schwung der jungen Musiker nicht verloren. Was an gemeinsamer Probearbeit in dieser Zeit nicht möglich war, machten sie durch privates Üben wieder wett. Und nachdem auch viele der ursprünglich geplanten Auftritte ausfallen mussten – hier zeigten sie gerne ihr großes Können.



Durch den historischen Park

Was das Können der Gartenarchitekten früherer Jahrhunderte betraf, wusste Fürstäbtissin Maria Kunegunda im anschließenden Part sachkundig zu berichten. Bei einem Rundweg machte sie an mehreren Stationen mit manchen grundlegenden Themen und Anekdoten rund um das Gartendenkmal vertraut, das zu den ältesten Landschaftsparks im Rheinland zählt. Beredt warb sie für die Schönheit der 40 Hektar großen Gartenanlage, die mit ihren vielfältigen Aspekten und ihrem Pflanzenreichtum zu allen Jahreszeiten ihre besonderen Reize entfaltet.

Zwei Dutzend Mitgeher – viel mehr waren nicht erlaubt - lauschten interessiert und aufmerksam beim Spaziergang bis zum Ententeich, genossen beim Durchschreiten des Parks den kühleren Windhauch, der aus den Alleen wehte, aber auch die Melodien von den beiden „Klanginseln“, an denen sich das SJB-Saxophon-Ensemble und das SJB-Blechbläserquintett im Parkgrün präsentierten. Die unerwarteten Töne unter den Baumkronen ließ viele Gesichter strahlen, fröhliche Jogger nahmen den Takt auf und weit über den Ententeich klangen das Präludium aus dem „Te Deum“ von Charpentier, aber auch die herausfordernde Intonation bekannter Filmmelodien aus dem Lebenswerk von Ennio Morricone.

Natur- und Musikerlebnis der besonderen Art

„Musik im Park“ – warum nicht öfter? Der Nachmittag geriet zum Natur- und Musikerlebnis der besonderen Art – zur besonderen Freude auch von Kultur-Touristen, die aus München und dem Allgäu angereist waren. Nach dem Besuch des Folkwang-Museums und der Basilika in Werden trafen sie „mehr zufällig“ auf das Schlosspark-Event, berichteten sie, und ließen sich dieses „Sahnehäubchen ihres Ruhr-Besuchs“ nicht entgehen: „Die Region hat so viel zu bieten. Doch unser Besuch jetzt am Schloss war ein unverhoffter Höhepunkt. Ein wunderschöner, großartiger Nachmittag und ein toller Abschluss unserer Reise“, versicherten sie den Organisatoren und versprachen: „Wir machen sehr gerne Werbung für Essen.“

Offensichtlich große Freude hatte auch der Essener Kulturdezernent Muchtar Al Ghusain, der das Konzert und den Parkspaziergang mit seiner Frau begleitete. Dem passionierten Musiker und Kulturmanager ist längst und offensichtlich das große Potenzial von Schloss und Park für das Kulturleben der ganzen Stadt nicht entgangen. Und in der Tat: „Musik im Park“ – von der Arena bis unter die Kronen des Hochwaldes – in der wechselvollen Geschichte des Schlossparks lassen sich noch viele weitere Kapitel schreiben. Die Organisatoren vom Borbecker Bürger- und Verkehrsverein, Fürstin Maria Kunegunda und die Schönebecker vom SJB freuten sich über das Echo und – trotz der Hitze – über einen schönen Auftakt weiterer Veranstaltungen dieser Art.

Bilder unten: Impressionen vom Nachmittag im Schlosspark - Bilderstrecke auf www.borbeck.de.