Donnerstag, 6. Mai 2021

Sein Herz schlug für Borbeck

Zum Tod von Walter Wimmer

 

BORBECK. Die ersten Nachrufe würdigten ihn als „weltoffen, kritisch und immer lokal“, als „journalistische Institution“, als „Phänomen“, als „ungeheuer gewinnenden gütigen Menschen, großzügig und väterlich zu seinen Mitarbeitern“ (...) Einen wie ihn wird es nicht mehr geben.“ Vielleicht nur selten ist ein Nachruf wie der von Frank Stenglein in der WAZ so ausführlich, so liebevoll und zugleich so zutreffend gewesen. Er galt Walter Wimmer, dem langjährigen Herausgeber und Redaktionsleiter der „Borbecker Nachrichten“, der am Mittwoch, 21. Oktober, im Alter von 89 Jahren gestorben ist.

 

„Einen Verleger mit Herz“ nannte ihn der Deutsche Journalistenverband (DJV) Essen-Mülheim-Oberhausen - im Blick auf das publizistische Wirken Walter Wimmers, der das von seinem Vater Wilhelm Wimmer, einem christlichen Gewerkschaftssekretär und Redakteur 1949 gegründete Blatt gemeinsam mit seinem Bruder Franz-Josef zu einer der größten lokalen wöchentlich erscheinenden Verkaufszeitungen in Deutschland machte. Erst im Jahr 2000 zog er sich aus der Redaktionsleitung der „Borbecker Nachrichten“ zurück, die wie die 1959 begründeten „Werdener Nachrichten“ unter das Dach der WAZ/Funke-Mediengruppe kamen. Dass er den Kampf im harten Wettbewerb gegen die Anzeigenblätter nicht gewinnen konnte, war ein harter Schlag für den Vollblut-Verleger, der vergebens um seine Unabhängigkeit gekämpft hatte.

 

Unverwechselbar lokal

 

Sein katholisch-soziales Elternhaus stand in der Dellwiger Rauchstraße. 1926 geboren, wurde Wimmer durch den Krieg und die Gefangenschaft tief geprägt. Die Erfahrungen in der englischen Kriegsgefangenschaft setzte der gelernte Englisch-Dolmetscher konsequent um und machte sie nach der Rückkehr in die Heimat zum Konzept seiner Arbeit: Unverwechselbar lokal und bestens vernetzt, vernetzte er mit seiner Zeitung den größten Essener Stadtteil selbst ganz entscheidend. Als er 1984 mit dem Kulturpreis der Stadt Essen ausgezeichnet wurde, unterstrich der Rat der Stadt: „Walter Wimmer hat für den Stadtteil Essen-Borbeck in herausragender, beispielhafter Weise Geschichtsbewusstsein vermittelt, örtliche Identität begründet und mitbürgerliche Kommunität gefördert. Mit seinem publizistischen Schaffen – darunter nimmt die Borbecker Chronik einen besonderen Rang ein – hat Walter Wimmer für die Menschen im Stadtbezirk Borbeck unermüdlich und mit großer Sachkunde feinsinnige Informationsarbeit geleistet und zu selbstverwalteten kulturellen Leistungen angeregt. Ihm gebührt Dank dafür, dass er mitgeholfen hat, Lebensqualität zu steigern und den Stadtteil Borbeck wohnlicher und lebenswerter zu machen.“

 

Gentleman und Menschenfreund

 

Sein Herz schlug für Borbeck, seine Geschichte, seine Menschen. Bleibenden Verdienst schuf er sich mit der von ihm ab 1980 bis 1993 bearbeiteten und herausgegebenen „Borbecker Chronik“ (Gewachsen in elf Jahrhunderten, Bd. 1-6), die zu einer unschätzbaren ortsgeschichtlichen Sammlung heranwuchs. Kritisch und zugleich freundlich, kenntnisreich und interessiert, leise und zugleich temperamentvoll, neugierig und gelassen, konservativ und doch offen für Widersprüche, getragen von einer positiv-optimistischen Grundhaltung, war er immer ansprechbar. Der „Gentleman“ und Menschenfreund mit seinem unverwechselbaren weißen Bart, der vielfach mit den Lesern auf der Straße ins Gespräch kam, gab vielen eine Stimme. „Ich habe ihn in meinen verschiedenen Funktionen immer als hochherzigen, engagierten und lieben Menschen kennengelernt, betonte die BBVV-Vorsitzende Susanne Asche.

 

Sein Lebenswerk lebt in Borbeck fort: In seiner Zeitung und im ganzen Stadtteil, für den er sich mit großer Leidenschaft einsetzte. Mit Redaktionsleiterin Susanne Hölter und Redakteur Andreas Eickholt fühlen wir uns sehr verbunden. Für sein Borbeck werden wir uns – auch in seinem Sinne - weiter nach Kräften einsetzen.