Donnerstag, 20. Februar 2020


Schwungvoller Jahresauftakt der Verbände

Neujahrsempfang in der Turnhalle an der Germaniastraße

 

BORBECK / BERGEBORBECK. Eine hübsche Tagesbilanz am Montagabend: Fast 2.200 Videoaufrufe in nicht mal einem Tag, überraschend viele Likes – und, obwohl nur 84 Sekunden lang, erreichte ein kurzer Streifen mit kleinen Impressionen vom Neujahrsempfang am Sonntag fast 4.200 Leser allein über die Facebookseite von Borbeck.de. Eigentlich gab es nur wenige Fotos aus eigenen Reihen, doch dafür wurde am Sonntag, 13. Januar, von den Besuchern eine Menge geknipst. Denn wann hat man schon eine solche Riege von Ehrengästen beisammen, zumal einen amtierenden Kontinental-Box-Meister?

Rund 100 Gäste ließen sich diesen Termin in der ehemaligen Jugendhalle an der Germaniastraße nicht entgehen: Zahlreiche Mitglieder der Fraktionen im Rat der Stadt kamen, Matthias Hauer MdB, Mehrdad Mostofizadeh MdL, der Sportausschussvorsitzende Klaus Diekmann, Angehörige der Bezirksvertretung, Bezirksbürgermeister Helmut Kehlbreier, dazu Vertreter und Vertreterinnen aus der Verwaltung und den Städtischen Tochterbetrieben, Schulen, Grundschulen, Gymnasien und KiTas. Den Sparkassen und Banken dankte man für ihre Unterstützung des vielfältigen sozialen und kulturellen Lebens, örtliche Unternehmen, Bürgerschaften, Verbände und Vereinen waren vertreten.



Sport - die schönste „Nebensache“ der Welt


Alles in allem war es ein sportiver Sonntagvormittag: Denn rund um den Sport in Borbeck und Essen ging es beim Neujahrsempfang des Borbecker Bürger- und Verkehrsvereins (BBVV), des Initiativkreises Borbeck (CeBo) und des TuS 84/10 Essen e.V., der als Hausherr für eine Menge Vorbereitungen gesorgt hatte. Schwungvoll marschierten die Aktiven vom Bergeborbecker Spielmannszug „In Treue fest“ von 1932 auf, Kevin Kerber (TuS), Klaudia Ortkemper (CeBo) und Dr. Christof Beckmann (BBVV) begrüßten für die Einlader. Und der Talk mit „Big Patrick“ Korte, dem offiziellen IBO Continental Heavy Weight Champion, dem Polizeipräsidenten Frank-Arno Richter und dem ehemaligen Stadtdirektor und Aufsichtsratsvorsitzenden von Rot-Weiß Essen, Christian Hülsmann, wurde zu einer spannenden Begegnung.



Auch wenn sie aus sehr unterschiedlichen beruflichen Perspektiven auf das Thema schauten: Rund um Bergeborbeck zeigten sie sich natürlich als eingefleischte Rot-Weiß-Fans, denen nicht umsonst eine große Leidensfähigkeit nachgesagt wird, so Polizeipräsident Richter. Er machte sich vor allem für die Bedeutung des Sports für Kinder und Jugendliche stark, betonte dessen inklusive Wirkung über Herkunft, Religion und andere Unterschiede hinweg. Doch er zeigte sich auch besorgt um manche Entwicklungen, die im Umfeld der Fanszene insgesamt zu beobachten sind. Rechte Tendenzen und zunehmende Gewaltbereitschaft einer gut vernetzten kleinen Gruppe hätten mit dem Sport nichts mehr zu tun. Hier stünden die Vereine mit in der Verantwortung.

Massiv gestiegene Investitionen


„Der Stadt fehlt einfach ein Bundesligist“, erklärte Christian Hülsmann, der langjährige Vorsitzender des Essener Sportbundes und Sportdezernent der Stadt. Auch wenn es im Fußball mal ganz andere Zeiten gegeben habe, sah er Essen auf einem guten Weg. Und dies nicht nur im Breitensport, der sich mit anderen Städten absolut messen könne: Massiv gestiegene Haushaltsmittel zeigten zuletzt auch in Borbeck, dass für Anlagen und Hallen viel investiert werde. Und es gab sogar spontanen Applaus für die zuletzt realisierte Sanierung des Stadions an der Prinzenstraße. Allein in diesem Jahr werden die Sport- und Bäderbetriebe insgesamt 21,8 Millionen Euro für den Ausbau und Erhalt der Essener Sportinfrastruktur ausgeben.



Dass Sport nicht zuletzt eine starke soziale Dimension hat, unterstrich „King of the Ring“ Big Patrick Korte, der seine ersten Punchs beim BC Vogelheim einsteckte und verteilte: Er ist neben seiner erfolgreichen Arbeit als Profi mit dem Hashtag #essenhaeltzusammen“ auf zahlreichen Gebieten unterwegs, trainiert mit Kindern und Jugendlichen und bezeichnet sich selbst als „Sozialtrainer“. Was ihm der Sport gab, gibt er heute in vielen Aktionen zurück, wie er in fast zurückhaltender Art erklärte. Und das Publikum, das gerne auch einen nahen Blick auf seinen goldenen Meistergürtel warf, würdigte sein Engagement mehrfach mit großem Applaus.

Verantwortung für das Gemeinwohl


Alle drei Gesprächspartner machten keinen Hehl aus ihrer großen Wertschätzung für das große Engagement der Vereine in der Sportstadt Essen, verwiesen auf die Bedeutung des Vereinssports als Lernort und auf das Gemeinschaftserlebnis im Leistungs-, Breitensport-, Freizeit- und Gesundheitsbereich, auf die Rolle von Teamgeist und Leitbildern. Ein wichtiges Fazit: Ohne engagierten Einsatz für den Sport geht nicht in einem lebendigen Gemeinwesen, Begeisterung, Leidenschaft und Verantwortung gehören zusammen. Für das Gemeinwohl in einer Stadtgesellschaft seien die Sportvereine und die sportlichen Vorbilder ein großer Faktor.

Dazu trägt auch die selbstbewusste Borbecker Sportszene deutlich bei, bindet und prägt viele Menschen, stärkt die Identifikation mit dem Lebensumfeld. Dass im großen Strauß der angesprochenen Themen manches untergehen musste, fiel spätestens auf, als die Veranstalter im Anschluss an die lebendige und kurzweilige Debatte an den Frauenfußball in der Stadt erinnert wurden – an die SG Schönebeck, ebenfalls eine hervorragende Vertreterin der Groß-Borbecker Sportlandschaft. Unterm Strich blieb der Appell der Organisatoren dieses zweiten Borbecker Stadtgesprächs klar: „Weiter im Schulterschluss aller ehrenamtlichen Initiativen für einen lebenswerten Stadtteil!“ - so die Botschaft dieses gemeinsamen Jahresauftakts.

Fotos: Walter Frosch