Montag, 18. November 2019
 

Borbecker Nachrichten – letzter Arbeitstag an der Vinckestraße

BORBECK. Zwischendurch drängelte es sich auf den schmalen Fluren: Letzter Tag im August 2018, letzter Arbeitstag in der Redaktion der BORBECKER NACHRICHTEN. Viele nutzten die Chance, noch einmal persönlich zu danken - Leserinnen und Leser, Abonnenten und Freunde der Zeitung, die nun zum letzten Mal erschienen ist.

Impressionen vom Vormittag an der Ecke Vinckestraße halten ein wenig fest, was bald der Vergangenheit angehören wird: Das typische Redaktionsumfeld, wo aus einem von außen unerschließbaren Chaos eine ordentliche Wochenausgabe entstand, draußen die vertrauten Schilder über und in den Scheiben der Büros, fußläufig, eine Redaktion auf Augenhöhe mit dem Leser, für jedermann zugänglich. Doch natürlich war es ein Tag, an dem sich die Gefühle mischten: Wehmut und Dankbarkeit zugleich, Sorge um die Zukunft und ein trotziges „Es muss weitergehen“.

Das WDR-Studio Essen schickte ein Filmteam und durchaus machten sich im Publikum verärgerte Stimmen Luft. Zugleich wurden letzte schriftliche Grüße in den dicken Dankeschön-Band des Borbecker Bürger- und Verkehrsvereins (BBVV) geheftet, griffen Gäste bei den historischen Postkarten zu. Doch das Unausweichliche erfordert auch neuen Optimismus: Borbeck braucht Alternativen, braucht sein Forum, braucht die Möglichkeit zum Austausch, zur Kommunikation und Vernetzung. Insbesondere im sozialen und kulturellen Bereich sucht man neuen Schulterschluss, will man sich an die Öffentlichkeit wenden, werben und zugleich deutlich machen: Jeder und jede ist wichtig, wird mit seinen und ihren Talenten gebraucht - im Dienst eines lebenswerten Stadtteils mit all seinen Ressourcen, die sich in neuer Weise bemerkbar machen und wirksam werden müssen.

Dies unterstrich die BBVV-Vorsitzende Susanne Asche, die am Morgen einen Unterschriftenstand vor den Redaktionsfenstern aufgebaut hatte. Auch wenn die BORBECKER NACHRICHTEN und die herausragende Arbeit ihrer Redaktion in Zukunft schmerzlich vermisst werden: Es galt einen würdigen Abschied zu nehmen, der seine Zeit braucht, der aber auch in die Zukunft weist. In der der Herzschlag von ganz Borbeck hörbar bleibt, das dem Vater der „BORBECKER“, Walter Wimmer, so viel bedeutet hat. Dessen Puls er immer wieder gefühlt und gespürt hat. Bleibt die Hoffnung, dass dieser verlässliche lebendige Grundton des Stadtteils vernehmbar bleibt. Vielen ist sehr bewusst, dass es nun umso mehr auf sie ankommt.

Die gelbe Bahn kreuzte, Tauben umflogen den Kranz der Germaniastatue, die bunten Obststände leuchteten, die Glocken schlugen und die Passanten strebten den Geschäften zu. Ein heller Vormittag in Borbeck. „Das Leben geht weiter“ – auch für die Mitarbeiter der „besten Seiten von Borbeck“, dieser Hoffnung gaben viele persönlich ihren Ausdruck.